Am Wochenende fanden die Schweizer Meisterschaften im Präzisionsflug statt
Ausgabe Nr. 49
23.06.2009
Foto: deg
Autor: deg
Die Motoren brummten und der Regen prasselte. Doch die Piloten und ihre Helfer liessen sich von Petrus am Freitag und Samstag keinen Strich durch die Rechnung machen.
Wegen dunkler Wolken und drohenden Niederschlags begann der Wettkampf bereits am Freitagmorgen um 10.30 Uhr. Das Tief hatte es aber besonders eilig und so wurde der Wettbewerb im Präzisionslanden unterbrochen. Doch um was geht es bei dieser speziellen Flugkunstsportart?
Jeder Pilot muss mit verschiedenen Konfigurationen vier Landungen absolvieren. Es gilt also, mit an- oder abgeschaltetem Motor und mit und ohne Klappe das Hauptfahrwerk bei der Landung auf der Nulllinie anzusetzen und dabei den zwölf Meter breiten Zielkorridor nicht zu verlassen. Für jeden Meter Abweichung verteilt die Wettkampfleitung Strafpunkte. Sieger ist, wer nach den vier Landungen am wenigsten Strafpunkte gesammelt hat.Dieses Jahr wurde die Wertung wegen der durchzogenen Wetterbedingungen aber nach nur zwei Landungen abgeschlossen. Auf dem Flugplatz Buttwil hörte man zwar hie und dort eine bedauernde Stimme. Schliesslich habe es schon bei der letzten Austragung in Buttwil (anno 2004) geregnet. Richtige Erzürnung war aber nicht zu spüren. «Schliesslich geht es im Präzisionsflug auch darum, die fliegerischen und navigatorischen Fähigkeiten zu verbessern. Präzisionsfliegen ist somit ein Beitrag zur Flugsicherheit», verdeutlicht Maurice Ducret, Webmaster und Medienverantwortlicher der PFA (Precision Flying Association Switzerland).
«Aviatischer Orientierungslauf»
Dies gilt auch für die andere Präzisionsflugkategorie, die am Samstag bestritten wurde. Neben dem Landewettbewerb gibt es nämlich den Navigationsflug, der gewissermassen ein «aviatischer Orientierungslauf» ist. Nach der theoretischen Flugvorbereitung muss der Pilot einen vorbereiteteten Parcours (bis zu 260 Kilometer lang) sekundengenau abfliegen. Dabei gilt es, Bodenzeichen zu erkennen und auf der Karte einzuzeichnen. Besonders schwierig ist es, die realen Ebenbilder von Landschaftsfotos am Boden zu erkennen und ebenfalls auszuzeichnen.
Mit diesem Multitasking der etwas besonderen Art werden die Piloten besonders geschult und das Fazit drängt sich auf: «Es lohnt sich.» Dies würde auch Max Kälin, Wettkampfleiter der PFA, unterschreiben. Er weiss schon lange vor den Piloten, wo der abzufliegende Parcours durchgeführt wird – und er hütet dieses Geheimnis vor dem Wettkampf wie ein Sternekoch seine Hausrezepte.
Erstmals mit GPS
Seine Arbeit ist dieses Jahr nicht mehr ganz so aufwendig gewesen wie in vorausgehenden Jahren. Früher wurden entlang dem Parcours im ganzen Land Helfer verteilt, die mit der Stoppuhr ausgerüstet verdeckte Zeitkontrollen machten, damit beim Präzisionsflug alles mit rechten Dingen zugeht. «Dieses Jahr arbeiteten wir erstmals mit GPS-Loggern, die Standort und Zeitablauf der Piloten sekundengenau aufzeichnen», erklärte Kälin im Rahmen der Schweizer Meisterschaften. Die Technik hält also auch in der Flugkunst ihren Einzug – aber nicht als Hilfsmittel für die Piloten: Egal, ob zu zweit oder allein, Handys und andere technische Hilfsmittel, die beim Navigieren behilflich sein könnten, sind verboten.
«Sicherer fliegen»
Für Esther Rimensberger, Präsidentin der PFA und Wettkampfteilnehmerin, sind solche Hilfsutensilien nicht vonnöten. Beruflich ist sie Mitarbeiterin bei der Flugsicherung Skyguide. Als Mitglied der Nationalmannschaft wird sie die Schweiz ausserdem bald in Polen bei den Präzisionsflug-Europameisterschaften vertreten. Wie alle Präzisionsflieger und -fliegerinnen weiss sie, was den tieferen Sinn dieser etwas unprominenten (und auch teuren) Sportart ausmacht: «Genauer fliegen heisst sicherer fliegen.»